Freiheit und Disziplin aus Sicht Montessoris

Aktualisiert: Juni 6

”In Maria Montessoris Augen sind Freiheit und Disziplin zwei Aspekte derselben Sache, untrennbar wie die beiden Seiten einer Münze.”

(Standing, Kapitel 17, Corruptio optimi pessima, S.174)


Doch was braucht das Kind um sich frei zu entfalten und gleichzeitig ganz natürlich „diszipliniert“ zu sein?


Beobachten wir ein Kleinkind: es kann sich sehr lange mit Dingen beschäftigen und ist in seiner Tätigkeit zutiefst konzentriert. Es probiert zB. immer wieder aufzustehen… Es strengt sich an und richtet all seine Kraft und Konzentration auf bestimmte Ziele; warum verschwindet jedoch diese Eigenschaft im Laufe der Zeit?



Sobald Erwachsene das Kind in seinen Aktivitäten unterbrechen und versuchen, es in eine bestimmte Richtung zu lenken, unterbrechen sie damit nicht nur die Konzentration und Motivation des Kindes, sondern auch dessen inneren Drang sich zu entfalten.


Das Kind kann sich frei entwickeln, indem wir es in seiner konzentrierten Tätigkeit nicht hindern. Dazu bereiten wir eine Umgebung und Aktivitäten vor, die ihm zahlreiche Freiheiten geben:


Das Kind hat die Freiheit zur Beschäftigungswahl:

- Material

- Platz: Wo? Tisch, Boden, Ecke…

- Partner: mit welchem Partner oder lieber alleine

- Zeit: wie lange will ich diese Arbeit machen, manchmal können es Tage oder Wochen sein

- Wiederholung: solange das Kind sinnvolle Arbeit macht, kann es die Aktivtät so lange wiederholen wie es will

- Ruhepausen: das Kind kann müde sein, nicht mehr interessiert und es braucht eine Pause – auch das ist wichtig. So kann das Kind alles, was es zuvor gemacht hat, verinnerlichen und zur Ruhe kommen. Nichts zu tun ist auch eine Wahl.


"… diese Kinder haben den ganzen Tag freie Wahl: Das Leben basiert auf der Wahl, so dass sie lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Sie entscheiden und wählen ständig und entwickeln diese Eigenschaften. Sie können diese Dinge nicht durch Gehorsam durch die Forderungen eines anderen erlernen… sie müssen sie üben. Die Charakterbildung kann nicht gelehrt werden. Es kommt aus Erfahrung nicht aus Erklärung." M. Montessori, The 1946 London Lectures

Das Kind ist frei zu kommunizieren

  • in altersgemischten Gruppen

  • bei den Übungen des praktischen Lebens (zB. Übungen zur Anmut und Höflichkeit,…)

  • Spiele und Übungen im Sinnesbereich, Sprache und Mathematik

  • Gruppenaktivitäten (zB. Stilleübungen, Kreis...)

Während all dieser Aktivitäten lernen die Kinder zu warten, Toleranz zu entwickeln, die anderen und deren Bedürfnisse zu respektieren, die Entscheidungen anderer zu akzeptieren und die Aktivitäten mit Sorge und Verantwortung durchzuführen.

Freiheit im Zusammenhang mit Unabhängigkeit

„Ohne Hilfe von anderen etwas zu tun können: Das ist Unabhängigkeit.“

M. Montessori, The absorbent Mind, 1995, p. 155


Dazu ein Beispiel: Das Kind benötigt beim Binden seiner Schuhbänder ausreichend Zeit. Oft sind wir Erwachsenen unter Zeitdruck und geben dem Kind nicht die Möglichkeit, die Dinge selbst zu machen - geben wir den Kindern die Chance, selbstständig und selbsttätig zu sein!

Maria Montessori meint jedoch nicht eine Freiheit, bei der wir unkontrolliert alles tun können.


Der Weg zur aktiven Disziplin:


Arbeit

Das Kind sollte sich bewegen und aktiv sein können. Wenn das Kind aktiv arbeitet verspürt es tiefe

Befriedigung

Wir Erwachsenen bieten dem Kind sinnvolle Aktivitäten und beobachten es in seinem Tun. Durch die an das Alter und Interessen des Kindes angepasster vorbereiteter Umgebung verspürt es eine tiefe Befriedigung seines Bewegungs- und Tätigkeitsdrangs.

Interesse

Es entsteht großes Interesse, das Kind vertieft sich in die Arbeit.

Wiederholung

Das Kind wiederholt die Arbeit immer wieder.

Konzentration

Das Kind beginnt sich zu konzentrieren.

Sobald das Kind unabhängig arbeitet und die Aktivitäten wiederholt, entsteht Konzentration. Man erkennt es zB. durch seine Körpersprache und Gesichtsausdruck.

Disziplin

Das konzentrierte Kind hat keine Probleme mit Disziplin. Das Kind stört die anderen nicht und kann bei seiner Aktivität bleiben. Auf diese Weise entsteht Selbstdisziplin.

„Die Disziplin wird dann entstehen, wenn das Kind seine Aufmerksamkeit auf den Gegenstand konzentriert hat, der es anzieht, der nicht nur eine nützliche Übung, sondern auch die Fehlerkontrolle erlaubt. Dank dieser Übungen wird eine wunderbare Koordination der kindlichen Individualität bewirkt, durch welche das Kind ruhig, strahlend glücklich, beschäftigt, sich selbstvergessen und infolgedessen gegenüber Preisen und materiellen Belohnungen gleichgültig wird.“


"Niemals sollte die Lehrerin sich scheuen, zu unterbinden, was nicht gut ist - aber in Gutes einzugreifen, sollte sie sich vorsehen, und gut ist jede Tätigkeit, die zu Ordnung, Harmonie, Selbstentfaltung und damit zu Disziplin führt; während Ungutes die schöpferischen Energien des Kindes zerstreut und dadurch Unordnung heraufruft." (Standing, , Kapitel 17, Verwirklichung der pädagogischen Freiheit, S. 177)

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MONTESSORI
PÄDAGOGIK & BILDUNG

 

Elisabeth Menighetti

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